Weihnachten 1979

Weihnachten, wenn man vergessen ist, und die Einsamkeit zuschlägt.Er saß auf dem alten abgewetzten Sessel, auf welchem er schon saß als seine Frau noch lebte. Der Fernseher auf den er starte war wie er selbst, nicht mehr der Jüngste. Gelegentlich erinnerte er sich an die besseren Zeiten, als sein Rücken noch stark war und seine Beine ihn sicher durch die Welt trugen. Ja, das waren gute Zeiten als er mit seinen Kindern und seiner Frau über die Weihnachtsmärkte streifen und er hin und wieder einen Glühwein trinken konnte. Heute saß er meistens in seinem Sessel, hörte Radio oder schaute den Fernsehsendungen zu, welche ihm mit ihrer neuartigen und lauten Art Angst vor dieser neuen Welt da draußen machten. Im Alter war der ehemalige Charmeur zu einem ruhigen, traurigen Mann geworden der mit seiner Einsamkeit und seinen Erinnerungen zu kämpfen hatte. Weiterlesen

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Feuerfunken

Feuerfunken - von einer zärtlichen Begegnung an einem SeeAbendstimmung – der Himmel nimmt im Lichte der untergehenden Sonne die Farbe des Ports in meiner Hand an, während der kleine See darunter bleiern zu schimmern scheint. Ein dunkles Rot – wie ein Meer aus Kupfer und dunklem Blut, durchzogen von orangenen und violetten Streifen und im Hintergrund malen sich sich die die dunklen Silhouetten der Berge ab. Weiterlesen

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Ein früheres Leben – Belgien, 1916

Weltkrieg 1916 - Ein vergessenes Leben. Nachtwind Zyklus, Teil 2Als er aufwachte, war es um ihn herum ruhig. Leichter Nebel trieb über die triste Landschaft und er drehte sich auf den Bauch. Sein Fuß hatte sich im Stacheldraht verfangen. Er hatte es nicht bis zum Graben geschafft und irgendetwas hartes hatte ihn am Rücken getroffen. Ihm war kalt, schrecklich kalt und er zog den schmutzigen und zerrissenen Mantel enger um seine Schultern. Er dachte an die Landschaft, wie sie noch vor zwei Jahren aussah; blühende Felder und Bäume, ein Himmel der stets einen guten Morgen versprach und heute? Ein Niemandsland aus Schlamm und Gräben – von allen Seiten umkämpft und mit dem Blut jener durchtränkt, die fernab dieser Hölle als Helden verehrt wurden. Weiterlesen

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Von Steinen und Worten

Unausgesprochene Worte sind Gedanken und Gefühle die man irgendann bereuen wird. Besonders wenn der Empfänger geht.Ich möchte dich einladen mich ein wenig zu begleiten. Einige Jahre zurück in eine Zeit in welcher ich mir weniger Gedanken machte über die Folgen von Handlungen und Äußerungen, oder besser gesagt, was geschehen kann wenn man diese unterlässt. Weiterlesen

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Der alte Mann

Der alte Mann. Eine Erzählung über einen alten Geschichtenrzähler. Erste Geschichte des Nachtwind-ZyklusEs war Abend, und der alte Mann saß alleine auf seinem Dach und hing seinen Erinnerungen nach. Er dachte an Freunde die vor ihm gegangen waren, an Kriege in denen er gekämpft, und an die Frau die er geliebt hatte. Er schloss seine Augen und lauschte dem Wind, der sanft um dass Haus strich, und es schien ihm, als würde dieser eine leise Melodie mit sich tragen. Er entspannte sich und ließ sich von der kaum hörbaren Weise tragen. Weiterlesen

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Das Monster …

Wenn Menschen zu Monstern werdenWahre Schönheit kommt von Innen – er verabscheute diesen Spruch, denn es war die größte Lüge die ihm im Leben begegnete. Er konnte mit Worten umgehen, mit ihnen jonglieren wie kaum ein anderer. Er half den Menschen, machte ihnen Mut und schenkte ihnen den Blick auf ihre Herzen, doch den Blick in sein Herz, den wollte niemand wagen, denn das was die meisten dort sahen, gefiel ihnen nicht. Er war dass Monstrum, die Randerscheinung, die Kreatur die man verspotten und verjagen konnte, das Ding welches eine Schuld trug die es nicht verschuldete. Weiterlesen

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Die Katze

Katze ungesehene schicksale grausamkeitSie war schon immer draußen gewesen, und sehnte sich auch nach der Freiheit die sie hier genießen konnte. Es gab jeden Tag neue Dinge zu entdecken und zu beobachten. Gerüche, Geräusche, fremde Menschen die sie gelegentlich streichelten. Aber es gab auch andere Menschen die sie mit Steinen bewarfen, oder fortjagten. Besonders schlimm waren manchmal jene die Kinder hatten. „Flohträger“, „Die überträgt doch Krankheiten, fass sie nicht an“. Und wenn sie doch zu nahe kam, wurde sie eben verscheucht. Sie verstand zwar nicht warum, aber es war ihr letztlich auch egal. Meistens spürte sie wann sie erwünscht war, und wann nicht. Sie hatte da gute Instinkte und letzten Endes war da ja noch immer die alte Dame die sie liebte…

Noch drei Häuserblocks und sie wäre wieder in der wärmenden Sicherheit der Wohnung. Wo niemand mit Steinen werfen, oder sie verjagen würde. Und die erfolglose Jagd wäre schnell vergessen. Die Dame würde ihr etwas Schmackhaftes hinstellen und sich daran freuen dass sie es sich schmecken ließ. Eigentlich wollte sie den Weg ohne Unterbrechungen hinter sich bringen. Sie hatte für heute wirklich genug, und der Regen war auch nicht gerade angenehm. Aber sie nahm plötzlich etwas war, einen Geruch. Er war wunderschön und zog sie völlig in seinen Bann.

Sie schaute sich um und folgte ihrer Nase zu der Quelle des Geruchs. Ein rechteckiger Kasten mit einer Türe davor. Ja, aus ihm kam der Geruch! Wer mochte so ein interessantes Ding vergessen in einem Hinterhof abstellen? Sie ging vorsichtig darauf zu und schnupperte interessiert. Die Türe erinnerte sie an die Klappe durch welche sie schlüpfte wenn sie abends zu der alten Dame zurückkehrte. Von den kalten Straßen zurück in die wohlige Sicherheit. Zu jener Dame die sie so sehr liebte …

Der Geruch war so wundervoll und diese Klappe mit all den Erinnerungen, die sie in ihr wachrief – sie schlüpfte hindurch und rieb sich an dem Fetzen Stoff der darin lag. Gab sich dem Geruch voll hin und vergaß Zeit und Umgebung. Alles was sie in diesem Moment interessierte war dass Stück Stoff mit diesem traumhaften Duft!

Bis sich schlagartig die Klappe schloss und ein gehässiges Lachen und Kreischen ihr Angst in die Glieder trieb…

Die Klappe öffnete sich und etwas dass wie eine Hand aussah, jedoch ganz anders roch und sich seltsam anfühlte, griff roh nach ihr. Sie biss und fauchte, aber es schien diesem Hand-Dings nichts auszumachen. Sie wurde grob geschüttelt und spürte wie der Schmerz ihr Genick durchzuckte. Sie schrie noch sehr oft in dieser Nacht und wehrte sich so gut sie konnte, aber es nutzte nichts und niemand kam um ihr zu helfen.

Sie verstand nicht. Sie hatte niemandem etwas getan, und nun? Warum fügte man ihr so viel Schmerz zu? Sie war doch unschuldig …

Am nächsten Morgen kamen Kinder zum Spielen in den Hinterhof und wurden durch ihr klägliches Maunzen angelockt. Sie war nicht mehr im Stande sich zu verteidigen, oder irgendwas Anderes zu tun als ihren Schmerz leise in die Welt zu rufen, während sie vor Angst und Pein unter sich gemacht hatte und an eine Hauswand gelehnt liegen blieb. Sie konnte ihr Leid nicht einmal mehr aus den leeren Augenhöhlen beweinen. Aber sie verstand dass die alte Dame sie nie wieder füttern, oder streicheln würde, oder dass sie ihren Namen rufen würde. Es tat ihr so leid. So entsetzlich leid …

Die Kinder fingen an zu weinen als sie sie fanden. Einer der Jungs lief nach Hause um seine Mutter zu holen, welche sie vorsichtig aufnahmen, in ein Handtuch wickelte und sie zu einem Tierarzt brachte.

Er konnte nichts mehr machen als sie einzuschläfern. Da sie keine Tätowierung und kein Halsband trug, konnte er auch keinem Besitzer ausfindig machen. Ihr geschundener kleiner kalter Körper wurde in eine Abdeckerei gegeben, und man sah sie nie wieder.

Einige Tage später sah man Zettel an Laternen hängen. Sie zeigten eine kleine Katze, wie sie zufrieden auf einer Decke saß und sich die Pfoten leckte. Ein kleines, zerbrechliches Wesen nur, welches vermisst wurde weil es doch geliebt wurde…

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Schattentanz

Herzen die sich im Schatten treffen und wagen was die Menschen im Leben nicht wagenEr blickte aus dem Fenster, sah hinüber zu dem anderen Fenster: Licht brannte darin und eine Silhouette zeichnete sich gegen dass Licht ab. Da stand sie, der Traum dem er nachhing. Sein Blick wanderte, schon nahezu voyeuristisch, über ihre Rundungen – nur ein Schatten gegen das herunter gezogene Stoff-Rollo, nur eine Abbildung ihrer wahren Pracht. Er wagte nicht ihr zu sagen was er dachte und empfand, schließlich hätte sie seine Tochter sein können, so jung war sie. So geschah es dass er sich mit heimlichen Blicken begnügte, seinen Träumen nachhing statt sie anzusprechen, ihr vielleicht sogar näher zu kommen. Er war erst Mitte vierzig, stand in der Blüte seines Lebens – aber er war bereits seit sechs Jahren alleine, nachdem seine Frau sich von ihm getrennt, und die Einsamkeit ihre Spuren in seiner Seele hinterlassen hatte. Weiterlesen

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Das Grau der Stadt – Eine Metapher über zerbrochene Träume

Eine Metapher über die zerbrochenen Träume des LebensHeute Morgen fiel mir eine kleiner Jahrmarkt auf. Die Fahrgeschäfte und Buden waren noch geschlossen und warteten auf die ersten Besucher des Tages. Ich mag den Rummel. Die Gerüche nach Popcorn und Zuckerwatte, kandierte Äpfeln und gebrannter Mandeln – eine ganz eigene Melange, welche in mir die Zeit zurückruft als ich mit leuchtenden Kinderaugen statt einer Welt aus Plastik, Glas und Draht noch dass Wunder, dass lebendig gewordene Märchen und Fantastische sah. Weiterlesen

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Tick Tack Tot …

Gedicht über Zeit Werden und Vergehen by ironwhistle, 2023Tick Tack – die Zeit verrinnt
Tick Tack – Mann wird Kind
Tick Tack – Asche zu Staub
und von den Bäumen fällt Laub

Tick Tack – des Lebens Lauf
Tick Tack – ihn hält keiner auf
Tick Tack – willkommen zur Fahrt
manchmal Lustig, manchmal hart

Tick Tack – so gehen die Stunden
Tick Tack – Zeiger drehen Runden
Tick Tack – der Kreis aus Leiden
auch du kannst ihn nicht meiden

Tick Tack – So Stund um Stund
Tick Tack – Kreisgefangen, immer Rund
Tick Tack – das Echo im Dunkeln
Hörst du nicht die Geister munkeln?

Tick Tack – der Kreis wird Enger
Tick Tack – es naht der dunkle Fänger
Tick – er hat die Sense dir geschliffen
das Tack, das hat er sich gegriffen …

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